Luma Beef in Leipzig

„Wer sich für besondere Lebensmittel interessiert, kommt an uns einfach nicht vorbei.“

Ende 2016 gründete Nils Jorra in Leipzig die Luma Beef International GmbH. Der deutsche Ableger des Schweizer Fleischveredlers beliefert seitdem zollfrei Gastronomen und Haushalte in Deutschland und Europa. Bei der Suche nach den richtigen Kontakten vor Ort setzte der Unternehmer und gelernte Koch auf die Unterstützung der Invest Region Leipzig GmbH.

Herr Jorra, bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor. 

Ich bin gelernter Koch, lebe mit meiner Familie seit über 10 Jahren in Leipzig und habe Ende 2016 den ersten Luma-Standort außerhalb der Schweiz gegründet. Ich kümmere mich um die Akquise, das operative Geschäft, Veranstaltungen, Events und die Gastronomiekontakte. Luma Beef ist Produzent und Händler von ausgesuchten Fleischdelikatessen. Wir liefern bestes Fleisch aus aller Welt und veredeln Frischfleisch mit einem speziellen Edelschimmelpilz, wodurch es besonders zart wird. Unsere Kunden sind derzeit noch vorwiegend Gastronomen, aber auch kulinarisch Interessierte und „fleischverrückte“ Privatkunden, die sich intensiv damit auseinandersetzen, was sie essen.

Wie hat sich Ihr Geschäft seit der Gründung entwickelt? 

Wir haben am Standort Leipzig mittlerweile drei Mitarbeiter, ein vierter wird im Juli dazu kommen. Wir haben bewusst eine sehr schlanke Struktur, achten darauf, nur Kernkompetenzen wie Vertrieb und Produktentwicklung im Haus zu haben. Alles andere, wie Marketing, PR oder Buchhaltung geben wir an Dienstleister ab. Das erste Quartal 2018 lief wirklich gut, wir zeigen tolle Wachstumszahlen und nach dem ersten Geschäftsjahr haben wir auch ein noch besseres Gespür für den Markt bekommen.

Wir merken, dass sich zunehmend ein Bewusstsein für gute Lebensmittel entwickelt und zwar nicht nur bei den über 50-Jährigen mit einem entsprechenden Einkommen, sondern auch bei den 20- bis 30-Jährigen, die Spaß am Essen haben, gern ein bisschen experimentieren und etwas Neues kennenlernen möchten. Wer sich für besondere Lebensmittel interessiert, kommt an uns einfach nicht vorbei.

Mittlerweile haben wir deutschlandweit einen festen Kundenstamm von rund 250 Gastronomen und beliefern einzelne Restaurants in Österreich, Tschechien, Belgien und den Niederlanden. Auch mit dem Umsatz im Online Shop, der seit Februar 2017 scharf ist, sind wir mehr als zufrieden. Wir waren sehr vorsichtig mit unseren Prognosen - immerhin befinden wir uns mit einem sehr speziellen Produkt in einem übersättigten Markt. Auf uns hat niemand gewartet. Also müssen wir mit Service und einzigartigen Produkten überzeugen und das ist uns bislang sehr gut gelungen. Ich bekomme in meinen Gesprächen von den Gastronomen zurückgemeldet, dass wir fantastische Lebensmittel haben. Wirklich jeder ist daran interessiert, wenn er das Fleisch einmal riecht, fühlt und schmeckt.

Was waren die Gründe dafür, dass Sie Leipzig als ersten Standort außerhalb der Schweiz gewählt haben?

Ich kenne die Gründer von Luma Delikatessen in der Schweiz, Marco Tessaro und Lucas Oechslin, schon viele Jahre. Die beiden waren 2016 auf der Suche nach einem Standort außerhalb der Schweiz, um innerhalb Europas zollfrei liefern zu können. Deutschland lag nahe und da ich ein großer Leipzig-Fan bin und nicht umziehen wollte, habe ich ihnen den Vorschlag gemacht, das hier für sie aufzuziehen. Ich habe sie also eingeladen, die Stadt kennenzulernen. Sie waren drei Tage vor Ort und wir haben einige Objekte besichtigt. Ich musste keine große Überzeugungsarbeit leisten, denn die gesamtdeutsche Lage ist einfach interessant. Man ist schnell in allen Himmelsrichtungen, der Flughafen und der DHL Hub sind für unser internationales Geschäft wichtig. Und: die Stadt ist in einem guten Flow, entwickelt sich unglaublich schnell. Man merkt eine Aufbruchstimmung, das ist ein tolles Klima für ein junges Unternehmen. Außerdem ist die Leipziger Restaurantszene ziemlich weit vorne im Vergleich zu anderen ostdeutschen Städten. Und die Gastronomieszene ist nunmal ein Spiegel der Gesellschaft.

Welche Erfahrungen haben Sie während Ihrer Gründung gemacht? 

Ich habe die Invest Region Leipzig als ein motiviertes, junges Team erlebt, das sich sehr bemüht, Investoren zu unterstützen. Für uns sind durch die Zusammenarbeit einige gute Kontakte entstanden, die uns wirklich geholfen haben. 

Welche Pläne haben Sie mit Luma Beef in Leipzig für die kommenden zwei bis drei Jahre?

Derzeit beziehen wir unsere Luma-gereiften Produkte ja noch aus der Schweiz, doch das soll sich ändern. Wir werden durch den bis Anfang 2019 eröffneten Produktionsstandort in Deutschland enorm an Flexibilität gewinnen und natürlich auch die Herstellungskosten senken können. Damit wären wir das erste Unternehmen in der EU, das Frischfleisch mit Edelschimmelkulturen reift. Es gestaltet sich jedoch nicht leicht, ein passendes Objekt zu finden, welches uns die idealen Bedingungen bietet. Mit ein bisschen Glück werden wir in der Leipziger Region fündig, aber die Chancen steigen natürlich bei einem größeren Radius. Hier schlägt Opportunität Strategie. Wenn wir also in Bayern oder Baden-Württemberg etwas Passendes finden, dann schlagen wir zu. Unser Hauptsitz bleibt aber in Leipzig. Natürlich werden wir auch unser Sortiment anpassen und erweitern. Ich denke da beispielsweise an Geflügel, das artgerecht und nachhaltig produziert wird, wo ich den Landwirt persönlich kenne und sein Fleisch guten Gewissens anbieten kann. Wir sehen ein enorm großes Potential in Europa und Leipzig als Standort bietet gute Möglichkeiten für die Expansion.

Eine persönliche Frage: Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit in der Region Leipzig?

Vor allem mit meinen drei Kindern. Sie sind 3, 10 und 12 Jahre alt. Wenn ich nicht mit ihnen auf dem Spielplatz bin, dann begleite ich sie zu Fußball oder Leichtathletik. Die wenige Zeit allein verbringe am liebsten auf dem Rennrad. Meine Lieblingsstrecke verläuft von Leipzig über Delitzsch und Bad Düben nach Bitterfeld und zurück.

Zurück